Neue Gaskraftwerke: LEAG erhält Großteil der Zuschläge

Milliardentrick: 7 von 11 Zuschlägen durch Umrüstung statt Neubau

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Dienstag 03. November 2026
Oberlausitz
Niederlausitz
2 min
Kategorie:
Kurznachrichten aus Wirtschaft für Bau Lausitz

Die LEAG-Gruppe erhält sieben der bundesweit elf Zuschläge in der ersten Ausschreibung für gesicherte Stromkapazitäten. Die erfolgreichen Projekte haben laut Marktstammdatenregister zusammen rund 3,53 Gigawatt geplante Nettoleistung. Davon entfallen 3,21 Gigawatt auf vier Vorhaben in Jänschwalde und zwei in Boxberg. Hinzu kommt der geplante Neubau Leipheim 20 in Bayern. Die am 3. November veröffentlichten Zuschläge eröffnen damit Perspektiven für die weitere Nutzung der Lausitzer Kraftwerksstandorte nach dem Kohleausstieg.

Vier Projekte in Jänschwalde, zwei in Boxberg

In der Lausitz wurden die geplanten Gaskraftwerke Jänschwalde 10, 20, 30 und 40 sowie Boxberg 10 und 20 bezuschlagt. Für jede Einheit sind im Marktstammdatenregister 535 Megawatt Nettoleistung angegeben. Als geplante Inbetriebnahme ist jeweils der 30. September 2031 eingetragen. Die Zuordnung ergibt sich aus dem Abgleich der Zuschlagsliste mit den amtlichen Registereinträgen für Jänschwalde und Boxberg.

Das zusätzliche Projekt Leipheim 20 bringt rund 319 Megawatt geplante Nettoleistung ein. Dort entsteht nach den Planungen ein zweites Gaskraftwerk am Standort. LEAG beschreibt das Vorhaben als künftig wasserstofffähig.

Für Jänschwalde und Boxberg verbindet sich mit den Zuschlägen die Aussicht, bestehende Energiestandorte weiterzuentwickeln. Die Gewerkschaft IGBCE begrüßt die Pläne laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als mögliche Zukunftsperspektive. Ihre Landesbezirksleiterin Nordost, Stephanie Albrecht-Suliak, sieht darin eine Antwort auf die Frage nach der weiteren Nutzung beider Standorte.

Der „Trick“: Vorhandene Kraftwerkstechnik weiter nutzen

Der von der FAZ als „Milliardentrick“ beschriebene Ansatz setzt auf die Umrüstung bestehender Braunkohleblöcke auf Erdgas. Wesentliche Anlagenteile wie Turbinen, Generatoren und Stromnetzanschlüsse könnten dabei weitergenutzt werden. So lässt sich vorhandene Infrastruktur für die künftige Energieversorgung einsetzen. EPH-Vorstand Leif Timmermann bezifferte den Kostenvorteil gegenüber vollständigen Neubauten dem Bericht zufolge auf mehr als 30 Prozent. Entsprechend günstig habe das Unternehmen seine Angebote kalkuliert.

Die Bundesnetzagentur lässt solche Umrüstungsvorhaben grundsätzlich zu, sofern die gesetzlichen Teilnahmevoraussetzungen erfüllt sind. Der Umbau bestehender Anlagen ist damit eine im Verfahren vorgesehene Möglichkeit.

Langfristige Vergütung für verlässliche Stromversorgung

Mit den Ausschreibungen sollen Anlagen abgesichert werden, die auch bei längeren Phasen mit wenig Wind- und Solarstrom zuverlässig Strom bereitstellen können. Erfolgreiche Betreiber verpflichten sich, ihre Leistung 15 Jahre vorzuhalten, und erhalten dafür eine jährliche Vergütung. Das schafft eine wirtschaftliche Grundlage für Kraftwerke, die zur Versorgungssicherheit gebraucht werden, aber nicht dauerhaft laufen müssen.

Insgesamt gingen bei der Bundesnetzagentur 41 Gebote ein. Neben den sieben Zuschlägen für die LEAG-Gruppe erhielten RWE drei und die Stadtwerke Karlsruhe einen. Der nach Leistung gewichtete durchschnittliche Zuschlagswert beträgt rund 155.300 Euro je Megawatt angerechneter Leistung und Jahr. Er liegt damit deutlich unter dem zulässigen Höchstwert von 244.000 Euro. Die Vergütung der einzelnen LEAG-Projekte wurde nicht veröffentlicht.

Zweite Ausschreibungsrunde folgt im Dezember

Die geplanten Neubauvorhaben in Schwarze Pumpe und Lippendorf gehören nicht zu den Zuschlägen dieser ersten Runde. Eine weitere Ausschreibungsrunde steht jedoch bereits fest: Die Bundesnetzagentur hat deren Bekanntmachung für den 10. November angekündigt. Der nächste Gebotstermin ist der 29. Dezember 2026.

Nachdem in der ersten Runde rund 5,16 Gigawatt reduzierte Leistung und damit mehr als ursprünglich vorgesehen bezuschlagt wurden, wird die zusätzliche Menge vom Folgevolumen abgezogen. Für die zweite Runde ergeben sich nach den gesetzlichen Regeln rechnerisch rund 3,84 Gigawatt reduzierte Leistung. Damit folgt noch in diesem Jahr ein weiterer Wettbewerb um langfristig gesicherte Stromkapazitäten.


Foto: LEAG, Andreas Franke

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